DIE ZEIT berichtet über Service Learning
In der Ausgabe 21/2009 der Wochenzeitung DIE ZEIT berichtet die Journalistin Isa Hoffinger über die Methode Service Learning in Universitätsseminaren. Da Studierende im Rahmen von Service Learning Seminaren gemeinnützig tätig werden und sich diese Leistungen sogar noch durch den Erwerb von Credit Points anrechnen lassen können, sei Service Learning „eine geniale Idee“, heißt es. Das Lehrkonzept sieht vor, dass die Studierenden zunächst im Seminar die theoretischen Grundlagen des zu behandelnden Arbeitsbereiches erlernen und diese dann praktisch in einer gemeinnützigen Einrichtung umsetzen. Durch diese Praxisphase haben sie die Möglichkeit, ihr fachliches Wissen zu vertiefen und durch den Umgang mit den Auftraggebern Schlüsselkompetenzen, wie Team-, Organisations- und Kommunikationsfähigkeit, zu erwerben und auszubauen.
Der Mannheimer Erziehungswissenschaftler Prof. Dr. Manfred Hofer organisierte vor sechs Jahren als erster Service Learning Seminare an einer bundesdeutschen Hochschule. Von der Methode Service Learning hatte er zufällig durch einen Kollegen aus den USA erfahren, wo gesellschaftliches Engagement schon seit Jahren als wichtiger Teil des Bildungsauftrags der Hochschulen betrachtet wird. Mit den Reformen der Hochschulen im Rahmen des Bologna-Prozesses und der schrittweisen Verschulung der Studiengänge durch die Einführung des Bachelor-/Master-Systems wuchs auch die Unzufriedenheit unter den Studierenden. Isa Hoffinger vermutet, dass es vielleicht damit zu tun hat, dass immer mehr Universitäten die Möglichkeit in Betracht ziehen, mit Hilfe einer Förderung von ehrenamtlichem Engagement, den Studierenden „künftig wieder mehr Raum für Sinnfindung zu geben“.
An zahlreichen Universitäten wird daher Service Learning fächerübergreifend in die Lehrpläne integriert. Im Rahmen des Hochschulnetzwerkes „Bildung durch Verantwortung“, in dem sich die Universitäten Duisburg-Essen, Erfurt, Mannheim, Würzburg sowie die Universität des Saarlandes zusammengeschlossen haben, soll die soziales Engagements der Studierenden gezielt gefördert werden, um so effektiv zu einer Stärkung zivilgesellschaftlicher Kompetenzen beizutragen. UNIAKTIV, das Zentrum für gesellschaftliches Lernen und soziale Verantwortung an der Universität Duisburg-Essen, nimmt bei der Verbreitung der neuen Lehr- und Lernmethode Service Learning eine Vorreiterrolle ein. Diplom-Pädagoge Jörg Miller, Projektleiter von UNIAKTIV, betont die Notwendigkeit der Universitäten, sich bewusst zu machen, dass ihr Bildungsauftrag nicht nur darin besteht, rein theoretisches Fachwissen zu vermitteln, sondern sie den Studierenden ebenso beibringen muss, Verantwortung in der und für die Gesellschaft zu übernehmen.
Die Studierenden empfinden die Möglichkeit, selbstständig und in Eigenverantwortung Fachwissen zu erlernen und praktisch anzuwenden, als ausgesprochen positiv. Nicht nur die Zielgerichtetheit der Projekte, sondern auch die Unterstützung seitens der Universitäten werden als bessere Möglichkeiten der Praxiserfahrung gewertet, als dies durch ein Praktikum erreicht werden könnte. Zudem belegen Umfragen des Erziehungswissenschaftlers Prof. Dr. Heinz Reinders, dass Studierende in Service Learning Seminaren in Selbsteinschätzungen angeben, einen höheren Wissensstand zu erreichen, als dies in regulären Lehrveranstaltungen der Fall ist. Einige Studierende können sich sogar nach dem Kontakt mit gemeinnützigen Einrichtungen im Rahmen von Service Learning Seminaren vorstellen, nach ihrem Studienabschluss in Non-Profit Organisationen zu arbeiten, obwohl dies für sie vorher kaum in Frage kam. Die Sensibilisierung für gesellschaftliche Belange und der praktische Nutzen für die Studierenden durch Service Learning zeigen sich in derartigen Erfolgen deutlich. Manchmal bedarf es eben einfach nur einer kleinen Veränderung der Perspektive, um weitgreifende Veränderungen in der Gesellschaft zu erzielen.
Den gesamten ZEIT-Artikel von Isa Hoffinger finden sie hier.



